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Förderthema · Anwendungsnah

Plasma-Biomarker: p-tau217 & Aβ42/40

Marker im Blut, die Alzheimer-typische Veränderungen sichtbar machen — lange bevor das Gedächtnis nachlässt.

Die Frage

Lässt sich die Alzheimer-Pathologie zuverlässig im Blut nachweisen, während Menschen noch kognitiv unauffällig sind — und so ein Zeitfenster für Vorsorge öffnen, bevor Symptome entstehen?

Der Stand der Forschung

p-tau217 — der dynamische Frühmarker

Ein Tau-Eiweiß, das schon reagiert, wenn die ersten Amyloid-Ablagerungen entstehen.

An Threonin 217 phosphoryliertes Tau (p-tau217) ist kein Maß für bereits bestehende Tau-Fibrillen, sondern ein dynamischer Spiegel der frühen, durch Amyloid-β ausgelösten Tau-Hyperphosphorylierung. Der Wert steigt bereits in der präklinischen Phase, wenn Amyloid akkumuliert, die Kognition aber noch intakt ist, und korreliert später eng mit dem Tau-PET-Signal. Damit fungiert p-tau217 gleichzeitig als früher Zustandsmarker des Amyloid-Status und als Stadienmarker der nachgelagerten Tau-Pathologie.

Die Aβ42/40-Ratio und das Problem der kleinen Dynamik

Zeigt, wie viel des aggregationsanfälligen Amyloids bereits im Gehirn „hängenbleibt".

Die Ratio aus Amyloid-β-42 und -40 spiegelt die relative Verarmung des aggregationsfreudigen Aβ42 wider, wenn es in Plaques eingebaut wird; die Ratio korrigiert dabei für individuelle Unterschiede in der Gesamtproduktion und präanalytische Verluste. Ihre Schwäche ist der geringe dynamische Bereich: Der Unterschied zwischen Amyloid-positivem und -negativem Plasma liegt nur bei rund 8–15 %, sodass bereits eine Messungenauigkeit von etwa 10 % einen großen Teil der Fälle fehlklassifiziert.

%p-tau217 — die Ratio aus phosphoryliert und nicht-phosphoryliert

Eine clevere Normierung, die das Signal robuster gegen Störungen macht.

Wird p-tau217 als Verhältnis von phosphoryliertem zu nicht-phosphoryliertem Tau-217 ausgedrückt (%p-tau217), normalisiert das für individuelle Unterschiede in der Tau-Gesamtproduktion und reduziert Confounder. Diese Ratio zeigt die größten Fold-Changes der Erkrankung — im Liquor steigt die T217-Phosphorylierung etwa um das Sechsfache, im Plasma erreicht die Ratio rund 280 % der Kontrollwerte —, deutlich mehr Trennschärfe als Aβ42/40. Vorsicht: Da das nicht-phosphorylierte Peptid mit dem Gesamt-Tau geteilt wird, kann eine rasche Neurodegeneration oder akute neuronale Schädigung die Ratio verzerren.

GFAP & NfL — Astrozyten-Reaktivität und Neurodegeneration

Zwei zusätzliche Blutmarker, die Entzündung und Nervenschädigung erfassen.

GFAP (gliales fibrilläres saures Protein) wird bei reaktiver Astrogliose freigesetzt, steigt früh an und zeigt unter den neurodegenerativen Erkrankungen eine relative Spezifität für die präklinische Alzheimer-Phase. NfL (Neurofilament leichte Kette) ist ein sensibler, aber unspezifischer Marker neuroaxonaler Schädigung, der über viele neurodegenerative Erkrankungen hinweg erhöht ist. Beide liefern orthogonale biologische Information zu Amyloid und Tau.

Das A/T/N-Konzept der biologischen Stadieneinteilung

Ein Raster, das die Marker zu einem biologischen Krankheitsbild zusammenfügt.

Das Feld ordnet die Marker konzeptionell nach Amyloid (A), Tau (T) und Neurodegeneration (N): Kern-Amyloid über Aβ42/40, Tau über p-tau217, Neurodegeneration über NfL. GFAP wird zunehmend als Nicht-Kern-Marker der Neuroinflammation ergänzt, der sich keinem einzelnen A/T/N-Knoten eindeutig zuordnen lässt.

Präanalytik & Confounder

Faktoren wie Nierenfunktion oder Körpergewicht können die Werte verschieben.

Eingeschränkte Nierenfunktion, BMI, Alter und Begleiterkrankungen verschieben die Marker-Konzentrationen messbar; sinkende eGFR kann den optimalen p-tau217-Grenzwert für Amyloid-Positivität erheblich anheben. Hinzu kommen präanalytische Faktoren, Lot-zu-Lot-Schwankungen und fehlende plattformübergreifende Standardisierung — Grenzwerte verschiedener Assays sind derzeit nicht austauschbar.

Was wir fördern

Wir unterstützen Forschung, die diese Marker aus der Diagnostik bei bereits Erkrankten in die präsymptomatische Früherkennung bei kognitiv unauffälligen und demografisch vielfältigen Bevölkerungsgruppen überführt: Validierung von Grenzwerten in Niedrigprävalenz-Settings, Assay-Standardisierung und Referenzmaterialien, systematische Confounder-Korrektur sowie zweistufige Screening-Algorithmen (Bluttest als Triage, anschließende Bestätigung).

Evidenzstand & Grenzen

Anwendungsnah, aber nicht abgeschlossen. p-tau217 ist der reifste Blutmarker, doch ein Screening gesunder Menschen erzeugt in Niedrigprävalenz-Settings viele falsch-positive Befunde. Ein positiver Marker zeigt vorhandene Pathologie an — keine Diagnose und keine Gewissheit über einen späteren Krankheitsverlauf. Die Mitteilung eines Risikos an symptomfreie Menschen ist ethisch sensibel und sollte mit Beratung erfolgen. Viele Validierungskohorten sind wenig divers; die Übertragbarkeit ist eine offene Frage.

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